Der Westendorfer Niklas Stechele ist vom Deutschen Ringer-Bund zu einem Lehrgang nach Tokio eingeladen worden. Zwei Wochen lang wird er mit den besten japanischen Topathleten auf der Matte stehen.

Neben Stechele, als einzigen bayerischen Athleten, hat Freistil-Bundestrainer Jürgen Scheibe noch Horst Lehr (Ludwigshafen) mit im Gepäck. Beide werden gemeinsam an einem Stützpunkt trainieren. Allein die Japaner haben in den leichten Gewichtsklassen bärenstarke Ringer. Dazu zählen der Vize-Weltmeister von 2023, Rei Higuchi, genauso wie Takuto Otoguro, der bei den Olympischen Spielen 2021 Gold gewann. „Ich erwarte täglich gute Einheiten und viele Trainingspartner“, so Niklas Stechele vor seinem Abflug in die japanische Hauptstadt. Er könne davon nur profitieren. Abseits der Matte freue er sich auf die Kultur, besonders aber auf das japanische Essen. Sushi esse er wahnsinnig gerne.

Während Stechele im Land der aufgehenden Sonne auf die Matte schreitet, war für Vereins- und Nationalmannschaftskollege Christopher Kraemer nach seinem operativen Eingriff im linken Knie die Teilnahme bei den Thor Masters in Dänemark geplant. Krankheitsbedingt musste der 28-jährige Griechisch-Römisch-Spezialist nun die Segel streichen. Das Knie könne er mittlerweile wieder voll belasten. Nun wird sein größter Konkurrent, Etienne Kinsinger (KSV Köllerbach), alleine im Limit bis 60 Kilo antreten. Wann der Westendorfer international wieder zum Einsatz kommt, ließ er offen. Im April und Mai finden die Olympiaqualifikationsturniere in Baku und Istanbul statt.

Für den Westendorfer Christopher Kraemer und SV Wacker Burghausen leuchtet mit dem Gewinn der deutschen Mannschaftsmeisterschaft der mittlerweile fünfte Stern. Die Ostbayern gewannen auch den Rückkampf gegen den SC Siegfried Kleinostheim mit 14:9. Schon der Hinkampf wurde knapp mit 12:9 in eigener Halle gewonnen.

Jubelnde Westendorfer feiern ihre Helden: Christopher Kraemer und Niklas Stechele. © Jens Heinz

Am Ende strahlten trotzdem beide Athleten aus dem Ostallgäuer Ringerdorf. Noch nie haben es in der 55-jährigen Geschichte des Vereins zwei Sportler gleichzeitig geschafft, im Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft zu sein. „Wir hatten eine tolle Stimmung in der Halle und viele Zuschauer“, freut sich Niklas Stechele trotzdem über die Vizemeisterschaft mit den Warriors. Auch wenn der 23-jährige Freistilspezialist das Duell gegen den amtierenden WM-Bronzemedaillengewinner von 2023, Arsen Harutyunyan, deutlich mit 0:14 verlor, gab der U23-Europameister nur drei Mannschaftspunkte ab. Das feierten die Kleinostheimer Zuschauer trotzdem mit Beifall. „Wir wussten, dass es nicht ganz einfach werden wird. Dennoch haben wir uns mit Platz zwei belohnt“, so Stechele in seiner Bilanz.

Aufgrund Knieprobleme stellte Burghausens Coach Eugen Ponomartschuk Christopher Kraemer nicht auf. Er fehlte daher im Rückkampf. Für ihn stand sein Nationalmannschaftskollege Witalis Lazovski (66 kg) im Aufgebot und zerlegte buchstäblich den für Kleinostheim startenden Nürnberger Deniz Menekse. „Er hat mich mehr als gut vertreten“, betont Kraemer, der von Beginn an zuversichtlich war, dass Burghausen die Hürde zum Titel meistern wird. Obwohl die Ostbayern die ersten drei Einzelkämpfe abgaben, ließen sie nicht locker und konnten am Ende sechs Einzelbegegnungen an diesem Abend für sich entscheiden.

Unter den 3.000 Zuschauern im weiten Rund der Untermainhalle waren auch zahlreiche Westendorfer vertreten, darunter auch Thomas und Jürgen Stechele. „Kleinostheim hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Es war ein richtig tolles Highlight. Dass wir mit Chris Kaemer einen deutschen Mannschaftsmeister und mit Niklas einen Vizemeister beim TSV Westendorf haben, ist einfach nur phänomenal“, war der Nachwuchscheftrainer selbst bei der Heimfahrt noch immer ganz geflasht. Thomas Stechele wiederum ist richtig stolz. Nicht nur auf seinen Sohn Niklas, der gegen den Weltklasseathleten Harutyunyan eine starke Leistung bot, sondern auch auf Christopher Kraemer. „Wir hatten zwei Westendorfer in einem Finale, das ist doch unglaublich.“ Das rein bayerische Duell hat für Florian Geiger, Präsident des Bayerischen Ringer-Verbandes, nur einen großen Sieger: „Gewinner ist auf jeden Fall das Ringen in ganz Bayern. Wir hätten es uns nicht besser vorstellen können.“

Das neue gewählte Vorstandsteam im Bezirk Schwaben mit Präsident Florian Geiger (4.v.l.) und dem hauptamtlichen Landestrainer Griechisch-Römisch, Matthias Baumeister (rechts), von links: Robert Reitmeir, Wolfgang Frank, Thomas Stechele, Alfredo Santangelo, Felix Kiyek, Teresa Sausenthaler, Thomas Wetzel, Tobias Mettler und Stefan Günter. © Günter

Showdown im Kampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Ringer zwischen dem SC Siegfried Kleinostheim und SV Wacker Burghausen. Das Besondere bei diesem Duell: Die beiden Westendorfer Eigengewächse, U23-Europameister Niklas Stechele und Christopher Kraemer, können jeweils mit ihrem Verein den Titel holen. Burghausen als vierfacher deutscher Mannschaftsmeister hat im Finalhinkampf vorgelegt. Die Ostbayern gewannen am vergangenen Samstag knapp mit 12:9.

Für Westendorfs Abteilungsleiter Bernhard Füller ist es schon zu Beginn des neuen Jahres ein absolutes Highlight. Er wünsche beiden Ringern viel Erfolg, wenn gleich er dann doch mehr Sympathien für den Underdog aus dem unterfränkischen Kleinostheim habe. Dort ringt bereits im vierten Jahr Niklas Stechele. In Burghausen feierte er im leichtesten Limit bis 57 Kilo gegen Givi Davidovi einen 3:0-Einzelsieg. Die Aussichten für einen weiteren Einsatz im Rückkampf stehen nicht schlecht. Wenn, dann würde der 23-jährige Freistilspezialist bis 61 Kilo auf die Matte gehen. „Verstecken brauchen wir uns auf jeden Fall nicht. Wir haben eine klasse Mannschaft. Ich bin überzeugt, dass wir im Stande sind, den zweiten Finalkampf zu unseren Gunsten drehen zu können“, so Stechele.

Auf der anderen Seite steht mit Christopher Kraemer ebenfalls ein weiteres Aushängeschild aus dem Ostallgäuer Ringerdorf. Der 28-jährige Griechisch-Römisch-Spezialist kämpft bereits in seiner zweiten Saison für den vierfachen deutschen Mannschaftsmeister. Im Hinkampf wurde Kraemer nicht aufgestellt. Bei einem möglichen Einsatz würde der Ostallgäuer dann im Limit bis 66 Kilo auf die Matte gehen. Kraemer selbst verspürt schon eine gewisse Vorfreude und Anspannung. „Es ist der letzte ausschlaggebende Kampf in dieser Saison. Schließlich geht es um den Titel. Da werden wir alle unsere maximale Leistung abrufen.“

Sympathien für Kleinostheim

Auch im Lager des TSV Westendorf verfolgt man gespannt dieses Duell.  Philipp Reiner, Ringer der Ersten Mannschaft, sieht mit dem Stilartwechsel im Rückkampf dann doch eher Vorteile für Burghausen. „Ich glaube schon, dass der Kampf deutlich für Wacker ausgehen wird.“ Kleinostheim habe mehr Teamspirit als Finalgegner Burghausen. „Wenn Niki ringen sollte, dann drücke ich ihm natürlich fest die Daumen.“ In die gleiche Kerbe schlägt auch sein TSV-Mannschaftskollege Daniel Joachim. „Mein Herz schlägt mehr für die Warriors, weil dort die Leute einfach cool sind, auch abseits der Matte.“ Sicherlich hätten die Ostbayern die besseren Karten, „trotzdem hat Kleinostheim immer noch die Chance auf den Gesamtsieg“, zeigt sich der Freistilspezialist optimistisch. Vor einer Woche war Joachim mit zahlreichen Westendorfern in der mit über 1.200 Zuschauern vollbesetzten Burghausener Sportparkhalle. Selbst den Rückkampf wird er sich nicht entgehen lassen. „Ich glaube, wir werden einen coolen Kampf erleben.“

Die Stecheles fiebert vor Ort mit

Auch die Stecheles werden ihren Niklas anfeuern. Sie werden sich unter den rund 2.500 Besuchern finden, die den entscheidenden Rückkampf live vor Ort anschauen werden. „Es ist angerichtet für ein megageiles Finale. Ich verspreche mir ein richtig tolles Duell“, so Jürgen Stechele. Der Nachwuchscheftrainer schwärm natürlich für einen Ringer ganz persönlich: Nämlich seinen Neffen Niklas. „Klar, ich bin für Kleinostheim. Aber ich freue mich auch über Chris Kraemer, sollte er mit Burghausen den Titel gewinnen.“ Nichtsdestotrotz gehen ihm schon die Superlativen aus, weil Westendorf zwei Ringer im Finale hat. „Für den Verein ist es ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Es ist doch völlig ungewiss, ob es diese Konstellation überhaupt noch einmal geben wird“, freut sich Stechele auf das Ringerspektakel.

Finalrückkampf live und kostenlos anschauen

Ringerfans können von zuhause aus mitfiebern: Der Bayerische Rundfunk überträgt im Web das Grande Finale. Der Livestream beginnt um 16.45 Uhr auf BR24.de. Mehr dazu. Hier klicken

Wer im kommenden Jahr bei deutschen Einzelmeisterschaften im Nachwuchsbereich teilnehmen will, muss eine vom Deutschen Ringer-Bund auferlegte Prüfung, das sogenannte Ringkampf-Abzeichen, abgelegt haben. Im Landesstützpunkt Schwaben in Westendorf hat Bezirkstrainer Matthias Einsle bei 30 Nachwuchsathleten diese Prüfung abgenommen. Die Teilnehmer kamen aus Mering, Kempten, Kottern und Westendorf.



Die Teilnehmer aus den Vereinen Mering, Kottern, Kempten und Westendorf mit den Trainern Jürgen Stechele (links), Matthias Einsle (2.v.l.) und Maximilian Goßner (rechts). © Jürgen Stechele

Gleich die gute Nachricht vorweg: Alle Athleten haben die wichtigste Hürde, „Bronze – Stufe 2“ erfolgreich gemeistert. „Ich bin schon sehr zufrieden, dass alle es geschafft haben“, betont Bezirksstützpunkttrainer Matthias Einsle, der durch Maximilian Goßner, Leistungssportkoordinator des Bayerischen Ringer-Verbandes und Jürgen Stechele, Nachwuchscheftrainer des TSV Westendorf, unterstützt wurde. „Einige Athleten waren so gut vorbereitet, dass ihnen noch die nächste Stufe Silber abgenommen wurde.“ Sie ist entscheidend dafür, um an den nationalen Titelkämpfen teilzunehmen. Geht es nach dem Willen des Deutschen Ringer-Bundes, ist ein gewisses Niveau von Nöten, dass durch die Abnahme eines Ringkampf-Abzeichens somit gewährleistet wird. „Bayern macht seine Hausaufgaben“, sagt Einsle. So mussten die jungen Nachwuchsrecken im Standkampf 20 Techniken und im Boden 13 Techniken nach Vorgabe zeigen. Dabei kommen sowohl Anfängergriffe und Grundlagentechniken zum Tragen, die bereits bei Neun- und Zehnjährigen intensiv einstudiert werden.

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